Trennungsschmerz überwinden – Wir alle haben ihn schon erlebt, den harten Fall von Wolke sieben auf den ungnädigen Boden der Tatsachen. Da ist man plötzlich abgeschrieben, wird nicht mehr gebraucht oder gar ersetzt. Und steht fassungslos vor dem Beziehungs-Aus. Was nun?

Für manche ist der darauffolgende Trennungsschmerz ein Weltuntergang und zieht sich über lange Jahre hin, andere verarbeiten den Verlust und die Zurückweisung emotional leichter.

 

Fakt ist auch, dass Männer eher dazu neigen, ihren Liebeskummer zu verdrängen oder mit anderer Ablenkung zu überdecken. Sie geben häufiger vor, es könnte ihnen nicht viel anhaben, verlassen worden zu sein. Die meisten Frauen leben den Schmerz dagegen viel deutlicher aus und lassen ihren Emotionen freieren Lauf.

Trotz allem sieht man viele Parallelen und kann Phasen ausmachen, die alle Menschen in dieser Situation in ähnlicher Weise durchlaufen. Oft weisen sie Begleiterscheinungen auf, die wir auch einem körperlichen Leiden oder einer seelischen Erkrankung zuordnen könnten.

Vielleicht erlebst du diese Anzeichen selbst auch?

  • Appetitlosigkeit bis hin zu Gewichtsverlust oder aber unkontrolliertes „Stress-Essen“, das irgendwie den erlittenen Verlust kompensieren soll.
  • Schlaflosigkeit und Nervosität
  • Extreme Lustlosigkeit und Antriebsschwäche
  • Pessimistische Zukunftsgedanken und unbegründete Ängste
  • Gesteigerter Alkoholkonsum, der dir vorgaukelt, den Schmerz etwas zu betäuben
  • Große Selbstzweifel und -vorwürfe, die dich kraftlos und niedergeschlagen machen

Um dich nicht zu sehr in ein negatives Gedankenkarussell zu verrennen oder dir gar körperlich zu schaden, ist es wichtig, frühzeitig aus diesem Teufelskreis auszubrechen oder bestenfalls gar nicht erst hineinzurutschen.

Was kannst du also tun, um deinen Trennungsschmerz zu überwinden?

Ich hoffe, dass dich diese Schritte dabei unterstützen:

  • Sortiere deine Emotionen
  • Trenne dich von Erinnerungsstücken
  • Lass dir helfen
  • Stärke dein Selbstbewusstsein
  • Reflektiere die beendete Beziehung

Schau dir nun an, wie das konkret aussehen kann.

Sortiere deine Emotionen

Wahrscheinlich überrollt dich erst einmal eine ganze Reihe von Gefühlen, nachdem der Partner Schluss gemacht hat. Eine Mischung aus Wut, Unglauben, Enttäuschung, Traurigkeit. Vielleicht verspürst du sogar Rachegelüste und willst gemein und verletzend dem oder der Ex gegenüber sein, schlichtweg weil dir auch wehgetan wurde. Oder dein Stolz verletzt ist. Oft kannst du zunächst gar nicht in Worte fassen, was dabei überwiegt und was dich am meisten belastet.

Höre deswegen in dich hinein und versuche, zuzuordnen, was du fühlst und warum. Hat der Ex-Partner dich persönlich beleidigt? Wurdest du belogen? Ist das Ende der Beziehung tragischer oder die Art, wie es dazu kam und es dir kommuniziert wurde? Je genauer du selbst deine Gefühle einordnen kannst, desto besser wirst du auch mit ihnen umgehen und sie nach und nach verarbeiten können. Vielleicht bist du jemand, der recht schnell über Vorwürfe hinwegsieht, aber der Schock, hintergangen worden zu sein hängt dir noch lange nach. Jeder wird anders verletzt und jeder heilt auch auf individuelle Art. Sei ehrlich zu dir selbst und nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.

Manchen hilft es, sich all das von der Seele zu schreiben. Sei es, dass du eine Liste machst oder einen Brief an den Ex-Partner verfasst, der natürlich nie abgeschickt wird. Das kann mehr Klarheit darüber bringen, was wirklich in dir vorgeht und wie du die negativen Emotionen los wirst.

Verabschiede dich von Erinnerungsstücken

Du tust dir wesentlich leichter, das Gefühlschaos in den Griff zu bekommen, indem du den oder die Ex auch sprichwörtlich aus der kompletten Wohnung verbannst. Dein Kopf ist voll genug von Erinnerungen, du brauchst dir also keine Sorgen zu machen, dass etwas verloren gehen könnte.

Doch Tatsache ist: Du kannst nicht loslassen, wenn dich von der Kühlschranktür jeden Morgen das damals so glückliche Paar anstrahlt und auf dem Nachttisch noch das letzte Weihnachtsgeschenk liegt. Selbst Postkarten und Fotos von Freunden oder Familienmitgliedern des oder der Verflossenen sollten aus deinem Blickwinkel verschwinden. Du musst ja nichts wegwerfen, es sein denn, es erleichtert dich oder du kannst damit deinem Zorn loswerden. Verstaue die Erinnerungsstücke einfach in einem Karton und verstecke ihn im hintersten Winkel, um keine Gefahr zu laufen, ihn in besonders rührseligen Momenten des Vermissens wieder hervorzukramen.

Es ist wirklich zu deinem Besten, auch wenn es dir schwerfällt. Je weniger durch diese Kleinigkeiten immer wieder in der Wunde herumgestochert wird, desto schneller kann sie zuwachsen.

Irgendwann wirst du bestimmt so weit sein, dir den Kisteninhalt mit genügend Abstand anzusehen, und kannst dann unter Umständen sogar mit einem Lächeln an die gemeinsame Zeit zurückdenken.

Und keine Sorge, du musst wegen der zerbrochenen Beziehung nicht ewig auf den Kontakt zu Freunden verzichten, die du über den Partner kennengelernt hast und die dir weiterhin wichtig sind. Lass aber erst Gras über die Sache wachsen. In der akuten Trennungsphase sind sie vermutlich nicht die besten Ansprechpartner.

Bei Trennungsschmerz: Lass dir helfen

Auch wenn Trennungsschmerz dich nicht zum ersten Mal heimsucht, hattest du über die Zeit wohl ausgeblendet, wie schmerzlich er tatsächlich war. Die gute Nachricht ist: Kein Mensch sagt, dass du ihn alleine überstehen musst. Es ist absolut keine Schande, Hilfe anzunehmen. Du selbst wärst doch in derselben Situation ebenso für andere als Schulter zum Ausheulen da. Und schon die körperliche Nähe von vertrauten Personen wird Balsam für deine Seele sein.

Indem du mit Freunden sprichst, können diese dir auch offen ihre Sichtweise schildern. Vielleicht fielen ihnen schon lange negative Verhaltensweisen deines Ex-Partners auf, sie wollten sich aber nicht einmischen. Oder sie haben eure Probleme als Paar als Außenstehende viel klarer wahrgenommen und helfen dir nun, alles zu analysieren.

Du musst es dir auch nicht antun, die wenig erfreulichen Neuigkeiten dem restlichen Bekanntenkreis beizubringen, dieser Spießrutenlauf ist unschön. Wenn du dich davor scheust, alleine zur nächsten Party zu erscheinen, bitte auch hier Freunde um Unterstützung. Die Nachricht wird durch sie schnell die Runde machen und so fragt dich künftig niemand unangenehm, wo du denn deinen Partner gelassen hast.

Übrigens kann es auch eine große Hilfe sein, mit jemandem zu sprechen, der dich nicht persönlich kennt und so nochmals eine andere Perspektive einbringt. Coaches oder psychologische Beratungen sind gute Anlaufstellen.

Trennungsschmerz überwinden: Stärke dein Selbstbewusstsein

Egal wie sehr wir noch während der Beziehung im Einklang mit uns selbst waren, eine Trennung geht leider nie spurlos am eigenen Ego vorüber. Zu sehr schmerzt die Zurückweisung des Ex-Partners und spätestens, wenn man obendrein wegen eines angeblich jüngeren, hübscheren, erfolgreicheren „Nachfolgers“ verlassen wurde, ist das Selbstwertgefühl völlig im Keller.

Für dich ist daher das A und O zu erkennen, dass der Grund für das Scheitern nicht in deiner Person liegt, sondern dein Partner offensichtlich nicht der oder die Richtige für dich war. Zermürbe dich nicht mit Schuldgefühlen und auch nicht mit Fragen danach, was du hättest besser machen können.

Konzentriere dich stattdessen auf Aktivitäten, die für dein Wohlbefinden sorgen. Verlassene Frauen gehen laut Klischee erst einmal zum Frisör? Richtig so! Tue was immer dir hilft, dich schön und wohl in deinem Körper zu fühlen. Treibe Sport, gehe aus, vergnüge dich mit Flirts. Und sei es nur, um Bestätigung zu bekommen und zu merken, dass du auch ohne den oder die Ex Chancen auf dem Markt hast. Dein Selbstbewusstsein wird es dir danken. Und je sicherer du wieder auftrittst, desto attraktiver wirkst du auch auf einen potenziellen neuen Partner.

Überlege dir außerdem, was dir noch alles Spaß machen würde, welche neue Freizeitbeschäftigung du anfangen möchtest, zu welchen Kurs du dich anmelden wirst. Alles schafft neue Perspektiven, du lernst neue Leute kennen, bist abgelenkt und fokussiert darauf, was dich zufrieden macht.

Reflektiere die beendete Beziehung

Wenn du erst einmal soweit bist, neutral auf die gemeinsame Zeit zurückzublicken, solltest du die Beziehung nochmals Revue passieren lassen. Betrachte, wie die Trennung ablief und wie das Verhältnis zwischen euch in der Zeit davor war. Vielleicht wird dir im Nachhinein manches klarer. Es ist auch nicht verkehrt, sich und sein Verhalten einmal ganz nüchtern aus der Entfernung zu betrachten. So kannst du nachvollziehen, ob dieses den Partner möglicherweise eingeengt hat, ob du zu dominant oder zu misstrauisch warst. So vieles passiert schließlich unbewusst und schleicht sich als Gewohnheit ein. Zwar sollst du dich nicht umkrempeln, um einem neuen Partner zu gefallen, aber Leben bedeutet auch, ständig an sich zu arbeiten, um weiter zu wachsen.

Das Reflektieren kann dir außerdem helfen, dem oder der Ex – sowie auch dir selbst – für Fehler zu verzeihen und mit der Situation Frieden zu schließen. Vergiss dabei nicht, dass auch der Andere auf seine Art die Trennung verarbeiten musste. Vielleicht hat er oder sie sogar deutlich mehr darunter gelitten, als du dachtest.

Auf dieser Grundlage schafft ihr es hoffentlich, auf lange Sicht einen erwachsenen, freundschaftlichen Umgang miteinander zu entwickeln. Bei Kindern, die ihr gemeinsam großzieht, ist das natürlich elementar. Aber auch ein gemeinsamer Bekanntenkreis kann euch auf längere Zeit miteinander verbinden. Und es wäre doch schade, den aufzugeben.

Wie lange du für diesen Prozess brauchst, ist ganz unterschiedlich und spielt letztlich keine Rolle. Es geht darum, dem Trennungsschmerz Lebewohl zu sagen und dich von all der damit verbundenen Last zu befreien. Um hoffnungsvoll nach vorne zu blicken und mit neuer Energie das nächste Kapitel deines Lebens in Angriff zu nehmen. Vergiss nicht, dass etwas noch Besseres vor dir liegt und du allein es in der Hand hast, was du daraus machst.