Selbstwertgefühl stärken – Ständige Unzufriedenheit mit sich, nagende Selbstzweifel und Versagensängste können die Seele zermürben. Dieser quälende Eindruck, zum Scheitern verurteilt zu sein und nie zu genügen. Oftmals entwickelt sich daraus ein richtiger Teufelskreis: Ein Mensch, der sowieso schon nicht an sich glaubt, geht auch das nächste Projekt mit großer Nervosität an und das niederschmetternde Ergebnis verstärkt nur erneut sein Minderwertigkeitsgefühl.

Wenn dir dieses Szenario bekannt vorkommt, treffen bestimmt einige der folgenden Punkte auf dich zu:

  • Du fühlst dich von der Gesellschaft nicht wahrgenommen und wirst ständig übergangen.
  • Du hast den Eindruck, nicht liebenswert zu sein und andere sogar zu belasten oder ihnen im Weg zu stehen.
  • Es plagen dich große Selbstzweifel, du fokussierst dich gerne auf deine Schwächen. Übertriebene Selbstkritik gehört zu deinem Alltag.
  • Du stellst deine Bedürfnisse hinter die der anderen oder kennst sie gar nicht wirklich.
  • Du fühlst dich für viele Probleme verantwortlich und machst dir schnell Vorwürfe.
  • Versagensängste und die Abhängigkeit von der Meinung anderer bestimmen dein Verhalten.
  • Du neigst dazu, deine Fähigkeiten zu unterschätzen und verkaufst dich im Job unter Wert.
  • Dein Leben ist nicht selbstbestimmt, du fügst dich ergeben dem für dich vorgesehenen Schicksal.

Dabei sind dir deine eigenen Qualitäten überhaupt nicht bewusst, ja oftmals nicht einmal deine tiefsten Überzeugungen, nach denen du eigentlich handeln solltest, um mit dir im Reinen zu sein. Die gute Nachricht ist: Das muss nicht so bleiben. Du kannst lernen, Selbstsicherheit aufzubauen, deine Talente zu entdecken, die eigene Persönlichkeit wahrzunehmen und diese auch auszuleben.

Wenn du erst einmal verstanden hast, wie begabt, wertvoll und einzigartig du bist, verschwindet auch das hässliche Gefühl, nichts Gutes verdient zu haben und macht Platz für ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben im Einklang mit dem eigenen Ich.

Ein stabiles Selbstwertgefühl entsteht aus Selbstbewusstsein, Selbstliebe und -vertrauen. Wie kannst du dieses aufbauen und stärken?

Folgende Anregungen sollen dich dabei unterstützen:

  • Sei stolz auf dich
  • Werde zu deinem eigenen Ich
  • Höre auf, dich zu vergleichen
  • Stelle dich deinen Ängsten
  • Lerne den richtigen Umgang mit Kritik
  • Überliste dich selbst

Wie aber kannst du nun ganz praktisch an diesen Punkten arbeiten?

Sei stolz auf dich

Es ist enorm wichtig, Bestätigung anderer nicht abzublocken und als Irrtum oder Heuchelei abzutun. Dein Umfeld hat ein wesentlich besseres Bild von dir, als du denkst, und ist dir deutlich freundlicher gestimmt. Daher solltest du Lob und Komplimente annehmen und dich darüber freuen, anstatt ständig versteckte Kritik darin zu suchen oder dir einzureden, dass diese gar nicht ernst gemeint sein können. Bekräftigende, aufbauende Worte sind Balsam für unser Ego und du brauchst keine Sorge haben, deswegen eingebildet zu wirken.

Sei zudem auch stolz auf dich und deine Leistungen. Kehre deine Begabungen nicht unter den Teppich und behaupte vor allem ja nicht, keine zu haben. Jeder Mensch bringt so viele einzigartigen Fähigkeiten mit, aus denen Fantastisches entstehen kann.

Und wenn es gerade sonst keiner tut – lächle dich selbst im Spiegel an und sage dir etwas Nettes. Klopfe dir auf die Schulter für Dinge, die du erreicht hast und belohne dich dafür. Übernimm Verantwortung und fordere dich selbst heraus, indem du dir schrittweise immer mehr zutraust und dabei den eigenen Schweinehund überwindest. Die Erfolgserlebnisse geben dir Auftrieb und beweisen, wie unberechtigt deine Selbstzweifel eigentlich sind. Du entwickelst damit eine zunehmend positivere Selbstwahrnehmung.

Selbstwertgefühl stärken: Werde zu deinem eigenen Ich

Das klingt zunächst seltsam, aber all deine Ängste und Unfreiheiten verhindern, dass du dich komplett entfaltest. Um deine Persönlichkeit im Detail zu ergründen, musst du sowohl deine Gaben wie auch deine Bedürfnisse und Einstellungen erkennen. Wichtig ist, die eigenen Eigenschaften völlig wertfrei anzunehmen. Vielleicht bist du ein Perfektionist, ein Romantiker oder ein Dickkopf. Du bist du, und damit ebenso bedeutend wie jede andere auch.

An Charakterzügen, die dich tatsächlich stören, kannst du bei dieser Gelegenheit aktiv arbeiten. Allerdings solltest du das immer mit dem Ziel tun, zufriedener mit dir selbst zu werden und nicht, um die Erwartungen deines Umfelds zu erfüllen.

Finde also heraus, wer du bist, wie deine Moralvorstellungen aussehen, was dich glücklich macht und folge dann konsequent dieser inneren Stimme. Eigentlich hast du große Lust eine verrückte Sportart auszuprobieren, aber deine Freunde halten das für leichtsinnig?

Du brennst für kitschige Filme oder magst töpfern, hast dich aber seither dafür geschämt? Was der Rest darüber denkt, muss dir wesentlich gleichgültiger werden, um dein volles Potenzial auszuschöpfen und das Leben zu führen, das nun einmal am besten zu dir passt. Denn ansonsten wirst du dich weiterhin in ein Schema gepresst fühlen oder eine Rolle spielen, die gar nicht deinem Wesen entspricht und auf dich auf Dauer selbst verlieren.

Höre auf, dich zu vergleichen

Sei nicht immer so wahnsinnig streng mit dir, während du den Vergehen anderer verständnisvoll gegenüberstehst. Miss auch nicht mit unterschiedlichem Maß, wobei du selbst kontinuierlich schlechter wegkommst. Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Deine sind weder schwerwiegender noch unverzeihlicher. Glaube an deine Stärken und daran, dass du viel mehr kannst, als dir bewusst ist. Selbstliebe statt Selbstkritik sollte dein Credo werden. Vergiss nicht: Keiner ist perfekt. Und es ist erfrischend, auch über sich selbst lachen zu können.

Doch vor allem: Stelle nicht ständig Vergleiche an, sondern richte dich an den eigenen – wohlbemerkt realistischen! – Zielen aus, und nicht daran, was uns in den Medien als Idealbild vorgegaukelt wird. Wenn beispielsweise viel Unsicherheit von deinem Übergewicht herrührt, bringt es nichts, sich ständig Fotos von gertenschlanken, durchtrainierten Models anzusehen. Suche dir stattdessen geeignete Vorbilder, nahbare Menschen mit einer echten Erfolgsgeschichte, die dich inspirieren und dir Kraft geben.

Stelle dich deinen Ängsten

Um den Sorgen entgegentreten zu können, die dich blockieren und immer wieder in dasselbe Verhaltensmuster zurückfallen lassen, musst du sie genauestens kennen. Angst an sich ist keine Schande und kein Zeichen von Schwäche, sondern ein uns angeborenes, natürliches Gefühl. Lasse jedoch nicht zu, dass es als Bedrohung deinen Alltag beherrscht und dein Selbstwertgefühl schwächt.

Gehe also in dich, um dir selbstreflektiert über dein Verhalten und dessen Gründe bewusst zu werden. Ziehst du dich vor Zuneigung zurück aus Angst, verletzt zu werden? Bleibst du im Kollegium oft stumm aus Sorge, dich lächerlich zu machen? Bietest du deinen Einsatz im Verein nicht an, weil du befürchtest, etwas zu verpatzen?

Je aufmerksamer du dich selbst und dein Umfeld betrachtest, desto mehr Zusammenhänge werden dir auffallen, beispielsweise was genau dich nervös macht oder was peinliches Unbehagen, Hilflosigkeit wie auch Zorn hervorruft.

Und dann stelle dir ehrlich noch tiefergehende Fragen: Hat meine Furcht vor Blamage damit zu tun, dass mich noch ein traumatisches Erlebnis im Unterbewusstsein belastet? Wurde mir als Kind vermittelt, ich könnte nichts richtig machen? Hat mein letzter Partner sich auf meine Kosten in den Vordergrund gedrängt?

Erst auf dieser Grundlage kannst du deinen Ängsten den Kampf ansagen und sie wirkungsvoll aus dem Weg räumen.

Lerne den richtigen Umgang mit Kritik

Schau genau hin, von wem vermehrt Kommentare kommen, die immer wieder dein Selbstvertrauen angreifen. Bekannte oder Freunde, welche so mit dir umgeben und kein Feingefühl zeigen, tun dir auf Dauer nicht gut, auch wenn du dennoch Sympathie für sie empfindest. Es ist viel empfehlenswerter, dich mit Menschen zu umgeben, die dir Mut machen und in deinem Prozess zu mehr Selbstwertgefühl unterstützen.

Nichtsdestotrotz kann Kritik natürlich auch konstruktiv sein, solange sie freundlich und mit guter Absicht geäußert und neutral von dir als Rückmeldung zu deinem Verhalten aufgenommen wird. Wenn dir bei der Arbeit Fehler passieren, zeigen diese nur, dass du vielleicht noch besser eingearbeitet werden musst und nicht, dass du als neue Kollegin unfähig bist. Das Entscheidende ist, Kritik wirklich nur auf den konkreten Umstand zu beziehen und sie weder zu verallgemeinern, noch als persönlichen Angriff zu werten.

Überliste dich selbst

Sobald dir die besonders heiklen Situationen bewusst sind, kannst du dich mental vorbereiten, um diese in Zukunft souveräner zu meistern und nicht aufs Neue in alte Muster zu verfallen. Lege dir Antworten für wiederkehrende, verletzende Aussagen zurecht, um im entscheidenden Moment schlagfertig zu reagieren und dich angemessen zu behaupten oder sogar zu verteidigen. Präge dir ein Mantra ein, das du jederzeit abrufen kannst, wenn die Selbstzweifel wieder laut werden, beispielsweise „ich habe meine Arbeit gut gemacht und weiß das auch“.

Versuche aber auch, deine negative Einstellung ins positive Gegenteil zu verwandeln. Das sieht so aus, dass du vor einer Herausforderung künftig nicht mehr denkst „oh je, hoffentlich geht das gut…“, sondern „das bekomme ich schon hin…“. So programmierst du deine Gedanken von vorneherein zuversichtlicher und kommst immer mehr aus deiner negativen Spirale aus falscher Bescheidenheit und vergebenen Chancen heraus.

 

Dies ist ein langer Prozess, der nicht von heute auf morgen in Erfolg umschlägt. Vor allem, wenn das mangelnde Selbstwertgefühl jahrelang die Kontrolle über dein Fühlen, Denken und Handeln übernommen hatte. Aber jetzt gilt es für dich, aus diesem Muster auszubrechen und dich nicht länger kleinzumachen. Stück für Stück wirst du deiner wahren, selbstsicheren Persönlichkeit näherkommen und immer besser deine Interessen artikulieren und auch umsetzen können.

Am Ende dieses Weges wartet ein Leben auf dich, das frei ist von falschen Schuldgefühlen, unnötiger Scham und übertriebener Selbstkritik. Und das ist die Mühe auf jeden Fall wert!