Selbstliebe lernen – Viel zu scharfe Selbstkritik und große Zweifel an den eigenen Fähigkeiten sind deine ständigen Begleiter? Dann geht es dir wie vielen Menschen, deren Lebensqualität durch mangelnde Selbstliebe eingeschränkt wird. Sie eifern unentwegt viel zu hoch gesteckten Zielen nach und befinden sich in einem Strudel aus Anspannung, Minderwertigkeitsgefühlen und Frustration.

Dabei entsteht auch oft eine Abhängigkeit von der Bestätigung anderer, vor allem des Partners. Denn im Unterbewusstsein versucht man krampfhaft, jene Lücke mit Liebe von außen zu füllen. Unnötig zu erwähnen, dass sie zu einem noch viel größeren Loch aufklafft, wenn die Beziehung in die Brüche geht und man plötzlich mit sich selbst alleine dasteht.

Wenn du dich in dieser Beschreibung wiederfindest, kämpfst du sicher auch mit ganz ähnlichen Problemen:

  • Du kannst dir nur schwer Erfolge eingestehen und anerkennen, was du alles vollbracht hast.
  • Äußeren Umständen fühlst du dich hilflos ausgeliefert.
  • Du stellst extrem hohe Anforderungen an dich selbst und machst dich schlecht, wenn du an ihnen scheiterst.
  • Mit deinem Ich zu hadern ist dir viel vertrauter, als es einfach anzunehmen.
  • Du kannst dir selbst nur schwer verzeihen.
  • Neid auf andere schleicht sich oft in deine Gedanken.
  • Du empfindest oft Anspannung und Leistungsdruck.

Unter diesen Gegebenheiten fällt es natürlich schwer, zufrieden mit dir und der Welt zu sein. Doch man kann Selbstliebe lernen und sich von eingebrannten negativen Denkmustern lösen.

Ein erster wichtiger Schritt ist, dir dein Handeln zu verbildlichen: Wie reagierst du in bestimmten Situationen, welche Gefühle lösen sie in dir aus, wo entdeckst du sich ständig wiederholende Verhaltensweisen? Wenn du diese Sackgasse visualisieren kannst, in die du dich immer weiter hineinmanövrierst, wird es auch einfacher, die nötige Reißleine zu ziehen und gegenzusteuern. Das kostet Kraft, verhilft dir aber zu deutlich mehr Lebensfreude und Selbstbestimmung.

Ich möchte dir helfen, dich mit diesen Strategien selbst lieben zu lernen:

  • Miss dich nicht an deiner Leistung
  • Nimm dich an, wie du bist
  • Stelle dich in den Mittelpunkt
  • Stärke dein Ego jeden Tag neu
  • Werde dein eigener Freund
  • Handle aus eigenem Willen

Wie kannst du diese Anregungen wirkungsvoll in deinen Alltag einbauen?

Miss dich nicht an deiner Leistung

Hierin liegt der eigentliche Schlüssel zu mehr Selbstliebe, da wir leider dazu neigen, uns über die vollbrachten Erfolge zu definieren und unser Ansehen davon abhängig zu machen.

Doch du bist wertvoll, ohne überhaupt irgendetwas zu leisten. Hab Achtung vor dir und vor deiner verletzlichen Seite, schade dir nicht unnötig selbst.

Umso entscheidender ist daher, deine Erwartungshaltung zu überdenken und dir weder bessere Ergebnisse noch mehr Engagement abzuverlangen, als anderen auch. Lerne, die dir entgegengebrachte Freundschaft oder Liebe als bedingungslose Zuneigung anzunehmen, die deinem einzigartigen Individuum mit seinen Stärken und Schwächen gilt. Und eben nicht an deinen Einsatz, deine Großzügigkeit oder deine Hilfsbereitschaft geknüpft ist.

Natürlich spricht nichts dagegen, ehrgeizig Ziele zu verfolgen. Solange sie realistisch bleiben und du bereit bist, auch Stolz und Freude über deren Erreichen zu empfinden. Rede es nicht klein, wenn dir Sachen gelingen und schiebe es auch nicht auf pures Glück oder die entscheidende Mitwirkung anderer. Mehr noch: Erinnere dich regelmäßig an solche Erfolgsmomente und gib diesen viel mehr Gewicht als den Situationen, in denen etwas schiefgelaufen ist.

Nimm dich an, wie du bist

Wenn dir Selbstliebe zunächst zu abstrakt erscheint, dann gehe erst einmal den Zwischenschritt und versuche es mit Selbstakzeptanz. Wie sieht dein Bild von dir aus? Schärfe deine Wahrnehmung, sei aufrichtig zu dir selbst. Sieh dir an, welche Eigenschaften du in dir trägst und was dich ausmacht. Nenne die Dinge beim Namen, egal wie glücklich oder unzufrieden du damit bist und nimm dich mit allen Ecken und Kanten an.

Höre auf, an Unzulänglichkeiten herumzunörgeln. Das zieht dich herunter und dein Umfeld ist es leid, die Klagen zu hören. Es liegt in der Natur der Dinge, dass du eine sehr kleine Körpergröße nicht ändern kannst. Vielleicht gelingt es dir aber dennoch, auch die Vorteile zu schätzen.

Wenn du dich selbst in Gedanken allerdings immer wieder für deine Trägheit ausschimpfst, kannst du sehr wohl etwas dagegen unternehmen. Verabschiede dich von schlechten Angewohnheiten oder peppe dein unerwünscht tristes Äußeres durch einen neuen Kleidungsstil auf. Vieles hast du selbst in der Hand.

Diese Selbstakzeptanz gelingt nicht über Nacht. Halte dir immer vor Augen, dass niemand perfekt ist und du von deinen Mitmenschen oft auch nur die Schokoladenseiten kennenlernst. Jeder hat Fehler, ist vielleicht frustriert über seine Schüchternheit oder eine schiefe Nase. Rede dir nicht ein, du wärst ärmer dran als andere.

Stelle dich in den Mittelpunkt

Vielleicht sagst du entrüstet: „Was, ich will doch kein Egoist sein!“. Keine Sorge, eine gesunde Portion Selbstliebe ist von Egoismus meilenweit entfernt. Du sollst dich ja nicht über deine Mitmenschen stellen oder plötzlich nur noch deinen Vorteil suchen geschweige denn dich selbstverliebt ins Rampenlicht drängen. Das würde schließlich auch nicht zu dir passen. Es geht lediglich darum, endlich auch einmal den Schwerpunkt auf deine Bedürfnisse zu legen und nicht immer hintenanzustehen.

Wenn du nie an dich denkst, wird sich an deiner Unzufriedenheit nichts zum Positiven wenden. Ganz im Gegenteil – du musst auf deine Kosten kommen und im Einklang mit dir sein, um genug Energie zu haben, auch für andere da zu sein.

Höre mehr in dich hinein, um deine Wünsche zu erforschen und herausfinden, was dir im Alltag fehlt, wo du dich vielleicht übergangen fühlst. Du hast dich schon viel zu lange für unbedeutend gehalten, stelle daher nun deine Interessen an erste Stelle.

Und dann schau darauf, diese zu erfüllen. Nimm dir die Freiheiten und Pausen, die du brauchst, um Kraft zu tanken und gönne dir guten Gewissens Belohnungen.

Stärke dein Ego jeden Tag neu

Um dich selbst wertzuschätzen und Vertrauen in deine Fähigkeiten aufzubauen, musst du dir Selbstkritik konsequent verbieten. Sie macht sonst das neu gewachsene Pflänzchen der Selbstliebe im Nu wieder zunichte.

Möglicherweise hilft es weiter, dir die unerwünschte aber doch ständig präsente kritische Stimme im Inneren als bösartigen Wicht vorzustellen, dem du gegenübertrittst und endgültig in seine Schranken weist. Oder besser noch komplett aus deinem Kopf und damit all deinen Gedanken verbannst.

Parallel dazu solltest du dich fortlaufend ermuntern, auf diesem Pfad Richtung Selbstliebe weiterzugehen. Tu, was dich und deine Seele erfüllt. Starte mit mutmachenden Gedanken in den Tag, erinnere dich an das, was du schon erreicht hast. Sage dir laut, wie toll und liebenswert du bist. Zähle voller Überzeugung auf, was du an dir magst und was du besonders gut kannst. Dir wurde beigebracht, dass Eigenlob anscheinend stinkt? Dann wirf diese wenig hilfreiche alte Weisheit über Bord, denn es gibt genug Gründe, sich selbst zu beglückwünschen.

Selbstliebe lernen: Werde dein eigener Freund

Es ist schon ein großartiger Anfang, einfach mehr Verständnis für dich selbst aufzubringen. Aber für tatsächliche Selbstliebe musst du noch weiter gehen und dir vor Augen führen, wie du mit einem engen Freund umgehst. Warum kannst du dir nicht selbst die gleiche Nachsicht und Zuwendung zukommen lassen?

Behandle dich gut, sei freundlich zu dir selbst, vergib dir deine Fehler. Auch Freunden macht man gerne eine Freude, warum dir also nicht mal selbst ein Geschenk zugestehen, sozusagen als kleines Zeichen der Aufmerksamkeit?

Mit nahestehenden Personen verbringt man außerdem auch gerne ausgiebig Zeit – schenke sie dir daher in gleicher Weise. Beschäftige dich mit dem, was dich umtreibt, was dir Sorgen macht aber auch mit den erfreulichen Neuigkeiten. Die würdest du mit einem Freund schließlich genauso begeistert teilen.

Und da du dich für Freunde auch herausputzt – tue dasselbe nur für dich. Sogar dann, wenn du den ganzen Sonntag zuhause auf der Couch verbringen wirst. Ein zufriedener Blick in den Spiegel stärkt dein Selbstvertrauen.

Handle aus eigenem Willen

Befreie dich davon, es allen recht machen zu wollen und folge deinen Vorstellungen, auch wenn diese den Erwartungen anderer entgegenstehen. Sage „nein“, wenn es dir zu viel wird und vertrete deinen Standpunkt. Lass dich nicht zum Spielball anderer degradieren oder ausnutzen, nur weil du hilfsbereit und sozial eingestellt bist.

Ergib dich nicht wie ein hilfloses Wesen in dein Schicksal. Du bist erwachsen und in der Lage, selbst Regie über dein Leben zu führen, Entscheidungen zu treffen und die Weichen für die Zukunft entsprechend zu stellen. Das heißt allerdings auch, sich nicht hinter faulen Ausreden zu verstecken, wenn es unangenehm wird, sondern konsequent an deinem Plan festzuhalten. Wenn du weißt, was du für dich möchtest und diese Wünsche verfolgst, kann dir Ärger viel weniger anhaben und Kritik dich nicht mehr aus der Bahn werfen.

Umgib dich mit Personen, die dich auf diesem Weg begleiten und deren Anerkennung sowie Zuspruch dir zusätzlichen Auftrieb geben.

 

Es mag vielleicht nach einer ziemlichen Herausforderung klingen, das eigene Auftreten so umzuprogrammieren, nachdem sich Gewohnheiten und Sichtweisen über Jahre eingeschlichen haben oder sogar tief in der Kindheit verwurzelt sind. Aber es ist der richtige Weg.

Wer sich selbst wohlgesonnen ist und auf sich achtet, legt auch Wert auf körperliche und seelische Gesundheit. Er nimmt sich Zeit für die wichtigen Dinge und schafft sich den nötigen individuellen Freiraum.

Und es stimmt tatsächlich – wer sich selbst liebt, strahlt das auch aus. So gelingt ein erfülltes Leben in Harmonie mit sich und anderen.