Beziehungsprobleme: Wie sich aus einer harmlosen Kleinigkeit ein lautstarker Streit entwickelt, der schnell abwertend und gemein wird, kennen wir zuhauf. Oftmals lässt eine solche Situation beide Partner nur wütend und verletzt zurück, ohne dass der eigentliche Auslöser thematisiert, geschweige denn aus der Welt geschafft wurde.

Wenn sich solche Konflikte häufen, deren Dauer und Intensität zunehmen und es sich nicht mehr nur um gewöhnliche Alltagsreibereien, sondern schwerwiegendere handelt, stürzt die ganze Liebesbeziehung ins Ungleichgewicht. Man stellt sein Verhältnis zum anderen in Frage und das wiederum verursacht Stress, der sich körperlich wie auch emotional als heftige Belastung auswirkt und Folgen wie Schlaf- oder Appetitlosigkeit, innere Unruhe bis hin zu depressiven Verstimmungen nach sich ziehen kann.

 

Beziehungsprobleme sind so unterschiedlich wie die daran beteiligten Parteien auch. Sie können dennoch häufig auf ähnliche Ursachen zurückgeführt werden:

  • Unerfüllte Bedürfnisse, fehlende Anerkennung sowie dadurch hervorgerufene Verbitterung.
  • Eine abweichende Vorstellung von einer glücklichen Beziehung (wie viel Freiraum man sich gegenseitig lässt, was man alles miteinander teilt, etc.).
  • Sehr unterschiedliche elementare Werte und Ansichten (Erziehungsfragen, Umgang mit Geld, Rollenverständnis, usw.).
  • Ein geringes Selbstwertgefühl, das durch die Zuneigung des Partners ausgeglichen werden soll.
  • Verschiedene kulturelle oder religiöse Hintergründe und Familienkonstellationen wie auch andersartige Erfahrungen mit bisherigen Beziehungen.
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst, den Partner und das gemeinsame Liebesglück.
  • Grundlegende Verhaltensweisen, die nicht vereinbar sind (krankhafte Eifersucht, mangelnde Offenheit, etc.).
  • Geringes Interesse an den Gedanken und Gefühlen des anderen.
  • Schlechte Organisation und nicht funktionierende Absprachen, die Frust erzeugen.
  • Zu starke Konzentration auf die Beziehung und Vernachlässigung von Freunden, Familie oder Hobbies sowie umgekehrt.
  • Wenig gemeinsam verbrachte Zeit, beispielsweise nach der Geburt eines Kindes.

Siehst du Parallelen zu dir? Dann ist es Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, um die Beziehung in ihren Grundmauern zu festigen und so größere Krisen zu verhindern. Zwar gibt es kein universelles Geheimrezept für eine gelingende Partnerschaft, aber du kannst Reibungspunkte frühzeitig erkennen und angehen.

Diese Denkanstöße sollen dir dabei helfen:

  • Pflege ein liebe- und respektvolles Miteinander
  • Sorge für offene Kommunikation
  • Führe konstruktive Streitgespräche
  • Nimm professionelle Hilfe in Anspruch
  • Akzeptiere die Tatsachen

Ich möchte dir näher schildern, was sich dahinter verbirgt.

Pflege ein liebe- und respektvolles Miteinander

Ist dir das schon passiert? Ein befreundetes Paar gerät vor deinen Augen aneinander und du erschrickst über deren Wortlaut? Vielfach betrachten wir die eigene Beziehung leider nicht so reflektiert, dabei passiert uns genau dasselbe. Es hat sich über die Zeit des Zusammenseins eingeschlichen, den anderen als selbstverständlich hinzunehmen und genau hier liegt der Fehler.

Liebe muss dauerhaft genährt und gepflegt werden. Ein achtsamer Umgang mit respektvoller, herzlicher Grundhaltung macht schon einen Großteil aus. Schenkt euch Aufmerksamkeit und Wertschätzung, zeigt täglich Zuneigung, seid freundlich zueinander. Dazu gehört auch, sich zu bedanken und höflich zu bitten.

Verbale Attacken, spitze Bemerkungen, Sarkasmus, Witze auf Kosten des anderen oder gar bewusst zugefügte Verletzungen haben in einem solchen Umfeld nichts verloren. Vergiss nie, warum du dich in den Partner verliebt hast und welche positiven Eigenschaften du so sehr schätzt, auch wenn dich Verhaltensweisen stören oder es Meinungsverschiedenheiten gibt. Versuche, den geliebten Menschen mit seinen Macken anzunehmen anstatt ihn nach deinen Vorstellungen zu verbiegen.

Wenn du dazu neigst, schnell patzig zu werden, denke immer daran, dass du so niemals mit einem Fremden sprechen würdest. Das hilft, in jeder Situation den nötigen Respekt zu bewahren.

Beziehungsprobleme: Sorge für offene Kommunikation

Nichts ist so wesentlich für funktionierende Beziehungen wie ein offener, wertschätzender und konstruktiver Austausch. Nur wer miteinander spricht und genauso bewusst zuhört, kann Missverständnisse ausräumen, seine Meinung äußern und Wünsche offenbaren. Auch Scham, Verletzungen, Ängste und Schuldgefühle dürfen in einer vertrauensvollen Partnerschaft keine Tabu-Themen darstellen.

Jeder sollte ehrlich seine Sichtweise darlegen können ohne Sorge, den anderen zu verletzen oder zu erzürnen. Auch hier sind gegenseitige Achtung und Empathie unverzichtbar.

Solange man im ersthaften Dialog miteinander bleibt, lernt man sich intensiver kennen und kann mehr Verständnis aufbringen. Aufkeimendes Desinteresse dagegen ist eine riesige Bedrohung für jede Beziehung.

Probleme totzuschweigen ist keine Lösung, da sie nicht von alleine wieder verschwinden. Und Ärger in sich hineinfressen, führt nur dazu, dass der Partner sich ausgegrenzt fühlt ohne jegliche Möglichkeit, sein Verhalten zu ändern und die Ursache aus dem Weg zu räumen.

Wenn über Streitpunkte gesprochen wird, muss allerdings klar sein, dass beide Blickwinkel gleiches Gewicht haben und keiner dem anderen etwas aufdrückt. Ein „das macht mich traurig“ darf daher nicht vom Partner mit einem lapidaren „du bist viel zu empfindlich“ abgetan werden. Man fühlt weder richtig noch falsch, da gibt es nichts auszudiskutieren.

 

Vorwürfe und Verallgemeinerungen führen schnell dazu, dass das Gespräch aus dem Ruder läuft. Denke daran: Der Ton macht die Musik.

Führe konstruktive Streitgespräche

Zorn und Trauer wühlen uns auf und müssen raus. Doch überkochende Emotionen wie Wut, Enttäuschung oder Eifersucht machen eine zielgerichtete Kommunikation schier unmöglich. Besser ist, sich zunächst aus der Begegnung zurückzuziehen und zu beruhigen, bis ein neutrales Gespräch möglich ist. Ansonsten schaukelt man sich unnötig gegenseitig hoch, auf Angriff folgt Verteidigung und irgendwann geht es nur noch darum, sich abwechselnd Stiche zu versetzen.

Dabei soll dein Partner doch auf keinen Fall zu deinem Gegner werden. Versuche, das Verhalten des anderen nicht fehl zu interpretieren und unterstelle ihm oder ihr keine bösen Absichten.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass dir der andere als zu penibel, zu unzuverlässig, zu verschwiegen oder zu herrisch erscheint. Man sich unverstanden oder voneinander genervt fühlt. Schildere das Problem aus deiner Perspektive, ohne zu beschuldigen: Anstatt mit „du entscheidest immer für beide“ anzuklagen, kannst du sachlich erklären „dabei fühle ich mich und meine Wünsche übergangen“. Höre die Gegenseite an, versetze dich auch in seine oder ihre Lage und gehe sicher, dass niemand etwas in den falschen Hals bekommt.

Zu einem erfolgreichen Streitgespräch gehört selbstverständlich auch, sich zu entschuldigen und bewusst zu verzeihen. Das setzt Bereitschaft voraus, den Vorfall weder nachzutragen noch zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufzuwärmen.

Bei Beziehungsproblemen: Nimm professionelle Hilfe in Anspruch

Beziehungsprobleme können so gravierend werden, dass körperliche oder seelische Begleiterscheinungen überhandnehmen und ihr als Paar alleine nicht mehr weiterkommt. Vielleicht wisst ihr gar nicht mehr voneinander, ob der andere glücklich ist oder womit er innerlich zu kämpfen hat. Oder ihr habt euch im fordernden Alltag zwischen Job, Kindern, Hausbau und Verpflichtungen auch einfach als Liebespaar verloren und existiert nur noch nebeneinander her.

Dann lohnt es sich, über den eigenen Schatten zu springen und sich extern über eine Paartherapie oder Eheberatung helfen zu lassen. Es erfordert einerseits Stärke, mit außenstehenden Personen über die intimsten Gefühle zu sprechen und zeigt anderseits auch, wie sehr du bereit bist um die Beziehung zu kämpfen. Ein Therapeut ergründet gemeinsam mit euch, wo die tieferen Ursachen für bereits verhärtete Fronten liegen. Er kann das entstandene Wirrwarr aus enttäuschten Hoffnungen, verletztem Stolz, unerfüllten Erwartungen und heimlichen Ängsten aufdröseln, um so nachvollziehbar zu machen, wo die eigentlich wunden Punkte liegen. Dieses Erörtern schafft Klarheit und bildet Brücken, dank derer wieder Nähe und ein neuer, bewusster Umgang miteinander entstehen kann.

Übrigens kann eine Beratung auch für dich alleine hilfreich sein, um dir klarzuwerden, wo du mit deiner Beziehung aktuell überhaupt stehst. Mit einem neutraleren Blick auf die Dinge kannst du besser für dich entscheiden, ob die Beziehung zu retten ist oder es inzwischen an gemeinsamen Zukunftsplänen oder gar ausreichend Liebe und Akzeptanz fehlt.

Akzeptiere die Tatsachen

Wie heißt es noch? „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Was ist, wenn man erfolglos um die Partnerschaft gekämpft hat, das einstige bereichernde Miteinander aber nicht mal mehr ein Nebeneinander, sondern nur noch eine dauerhafte Belastung ist? Wenn ungeklärte Fragen, nicht verziehe Fehler oder ständig schwelende Auseinandersetzungen einfach unüberwindbare Hindernisse für die gemeinsame Lebensplanung darstellen? Dann muss man möglicherweise den Tatsachen ins Auge blicken und fortan getrennte Wege gehen.

Auch dauerhaft nagende Zweifel an der Richtigkeit der Beziehung sind ein Trennungsgrund, da einer konstant unzufrieden ist, während der andere sich krampfhaft aufopfert, um zu genügen. Manchmal ist auch einfach von der früheren Zuneigung, Begeisterung und wahrgenommenen Verbindung nichts mehr übriggeblieben, weil das Vertrauen schlimm missbraucht, man gar manipuliert oder unter Druck gesetzt wurde.

Die Trennung sollte nie als feiger Ausweg aus einer unangenehmen Lage dienen. Doch umgekehrt ist nicht jede Beziehung es wert, gerettet zu werden. Teilweise tun wir uns gegenseitig einfach nicht gut, wollen es aber nicht wahrhaben.

Je nach Situation kann auch eine Beziehungspause eine positive Wendung bringen, weil sie beiden Parteien Gelegenheit gibt, sich getrennt voneinander neu zu sammeln und herauszufinden, was sie wirklich möchten und auch bereit sind, dafür zu geben. So können Streitthemen mit Abstand besprochen werden und es besteht die Chance, sich nochmals ganz klar für den anderen zu entscheiden.

 

 

Auch langanhaltende psychische Belastung durch finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder einen unerfüllten Kinderwunsch können viel Streitpotenzial bergen und deine Beziehung auf eine harte Probe stellen. Doch umgekehrt festigt auch jede gemeinsam überstandene Krise die Beziehung und sorgt für noch mehr Vertrauen darauf, dass auch weitere Herausforderungen eurer Liebe keinen Abbruch tun werden.

Solange keiner mit dem Gedanken spielt, die Beziehung aufzugeben, gibt es viele Lösungsansätze. Diese erfordern Mut, Geduld und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, sind aber jede Mühe wert.